Chaos


Doch die Rechnung ging nicht auf. Nach knapp sechs Monaten war man am Ende. Die Kassen waren fast leer, die Werbekunden davongelaufen, die Stimmung in der Mannschaft auf dem Tiefpunkt - hatte man doch viel versprochen und wenig gehalten. Einen querulanten Mitarbeiter, den man in der Manipulation gegen mich "benutzt" hatte, war der neuen Führung selbst zum Problem geworden. Man trat geschlossen zurück. Für eine halbjährige Übergangsphase (bis zu den regulären Neuwahlen) liess ich mich trotz stärkster Bedenken (zuviel war mir widerfahren) noch einmal als Vorsitzender wählen. Einer meiner von mir selbst vorgeschlagenen Mitstreiter allerdings boykottierte meine Bemühungen, an die Erfolge früherer Jahre anzuknüpfen. Er hatte offenbar andere Pläne, die er aber nie offen ausbreitete. Es gab Streit. Der neue Vorstand harmonierte nicht. Der Verein sank weiter ab; unüberlegte Finanzaktionen machten die Kassen schliesslich vollends leer.


Ein dann neu eingesetzter Vorstand, den ich quasi zur Rettung des Projekts massiv beim Wahlkampf unterstützte, harmonierte nicht. Der Vorsitzende trat zurück, und in Ermangelung eines neuen Kandidaten, übernahm der Kassenwart den Vorsitz kommissarisch gleich mit. Leider hatte der vom Radio keine Ahnung, und er konnte kaum etwas verbessern. Die Kassen wurden zwar kurzfristig etwas aufgemöbelt, weil er Aussenstände eintrieb, aber neue Werbung gab es fast nicht. So blieb die Finanzsituation schlecht. Schliesslich kam es, wie es kommen musste: Man konnte mich - nachdem man die Volontärsstelle schon vorher abgeschafft hatte - nicht mehr bezahlen, und ich wurde entlassen. Damit war das Tagesprogramm im Radio endgültig Vergangenheit.


Das Ende


Ab dem Jahre 2000 leitete der allererste Vorsitzende den Verein wieder, oder das, was von ihm übrig geblieben ist. Das Programm war auf wenige Stunden am Tag geschrumpft. Und das fand spät nachmittags oder abends statt. Zu den Radiospitzenzeiten (morgens, mittags etc.) war nur der CD-Wechsler zu hören. Der wurde zwar dann durch ein kostspieliges computergesteuertes Musikprogramm erzetzt, aber unterm Strich lief eben nur Musik. Das Vertrauen der Werbekunden fehlte erwartungsgemäss - die Hörer fehlten auch. Und das, obwohl die Reichweite sich fast verdreifacht hatte - nach einem Antrag, den noch ich 1997 vor dem Umsturz gestellt hatte, gab es einen zweiten Sender für Eisenberg auf 94,8 MHz (welcher schon zwei Jahre vorher ans Netz hätte gehen können, wenn der "Umsturz-Vorstand" Anfang 1998 nicht geschlafen hätte). Dann kam sogar ein weiterer Sender für Rockenhausen auf 87,6. An Infrastruktur mangelte es also nicht.


An was es mangelte war ein griffiges Konzept. Aus purer Ratlosigkeit stellte man das Musikprogramm auf deutsche Schlager um, trat damit in direkte Konkurrenz zu anderen etablierten Radiosendern. Nach aussen gaukelte man vor, das neue "Konzept' greife, aber die Wahrheit sah anders aus - wie wir heute wissen.


Schulden, hauptsächlich durch unüberlegte und überwiegend unnütze Anschaffungen, mangelndes Konzept eines ansprechenden Programms für eine kaufkräftige Zielgruppe, vergeigte Akquisition und ein zu starkes Selbstvertrauen haben den Sender zwangsläufig in den Ruin getrieben. Die Telekom schaltete am 2. Januar 2003 die Sender ab, nachdem die Schulden ins Unendliche gewachsen waren.



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