Der Anfang ist gemacht


Schon bevor bekannt wurde, dass es eine terrestrisch abstrahlende Senderkette auf privatrechtlicher Basis geben würde, interessierte sich die SPD für uns. Auf regionaler Ebene wurde uns Interesse entgegengebracht. Nachdem der Run auf die Lizenz begonnen hatte, kamen auch andere auf uns zu. Radio Donnersberg entschloss sich schliesslich, dem SPD-nahen "Linksrheinischen Rundfunk" (LR) beizutreten; dabei spielte die finanzielle Seite die grösste Rolle - politisch wollten sich die Donnersberger stets neutral darstellen. Besonders "PRO Radio 4", das schliesslich zusammen mit dem Linksrheinischen Rundfunk und den Verlegerfunkern von RPR (Rheinland-Pfälzische Rundfunkgesellschaft) und "Radio 85" (einem überregionalen Grossverlegermodell) den Zuschlag bekam, war um uns bemüht - vergeblich aber. Am 1. Mai 1986 ging "Radio 4" auf Sendung. Zunächst konnte noch nicht das ganze Land versorgt werden, aber wenigstens der südliche Teil. Jede der vier Anbietergemeinschaften erhielt eine gewisse Sendezeit zugewiesen. So entstand ein Fleckenteppich mit Programmfetzen unterschiedlichster Art. Kein Wunder also, dass Radio 4 nie so richtig den Durchbruch schaffte.


Auf den vielen Sitzungen des LR, die ich mit anderen zusammen für Radio Donnersberg besuchte, musste ich ein Phänomen feststellen: Als es um den Aufbau ging, zog jeder am gleichen Strang. Als man auf Sendung war, fühlte sich jeder benachteiligt, und die Streitereien begannen, die dann dazu beitrugen, dass der LR zerschlagen wurde. Ein Zustand, den ich später beim eigenen Projekt "Radio Donnersberg" leider auch feststellen musste; aber dazu kommen wir noch.




»Schaufenster Nordpfalz«


Radio Donnersberg sendete. Und das sogar über Antenne. Aus meinem Keller wurden wöchentlich zwei produzierte Cassetten mit je 20 Minuten "Schaufenster Nordpfalz" (zuerst "Schaufenster Donnersberg") nach Ludwigshafen geschickt, die jeweils dienstags und donnerstags kurz vor 17 Uhr gesendet wurden. Die LR-Mannschaft kritisierte; man war offensichtlich nicht "alternativ" genug, und die technische Qualität der Cassetten sei auch miserabel, hiess es.


Nach einiger Zeit mietete der Verein in einem Privathaus einen Raum an und verbesserte auch seine technische Einrichtung. Finanziert wurde die Verbesserung durch Werbung, die ein Fachmann aus der Region für uns im Gewaltmarsch einholte. Ab und zu durften die Kirchheimbolander auch am Wochenende mal live aus Ludwigshafen eine Stunde senden. Und bald wurde auch eine halbe Stunde Nachtprogramm gelegentlich aus Kirchheimbolanden aufgezeichnet ausgestrahlt. Auch Features von einer Stunde Länge kamen aus Kirchheimbolanden ins Radio 4-Programm, die durchaus - wie ein Beitrag über John Lennon - journalistischen Anklang fanden. Weitere Themen waren beispielsweise Mukoviszidose, Greenpeace, Atomwaffentestopfer in den USA und Piratenfunk der späten 50er Jahre. Inzwischen war ich Vorsitzender des Vereins und Sendeleiter.


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